Kinder unter dem Nussbaum am Kulturgut Höribach

 

Frühlingssonne – Kastanienallee am Kulturgut Höribach

 

Landschaftsinsel Kulturgut Höribach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Plattformzeitung Natur & Kultur – Ausgabe 2.2010

 

 

Kraftquelle Natur
Ein Festival der Sinne

Duftende Blumen und Blüten, ein Rausch von Farben, Grün in allen Schattierungen. Der beruhigende Schatten des Waldes, weiche Wege, Baumstümpfe bedeckt von hellgrünem Sternmoos, urzeitliche Farne, die wunderbare Stimmung am Waldrand. Ein rauschendes Bächlein, helles Wasser, das beim Springen über die Steine gluckst und murmelt, das in der Sonne glitzert begleitet von einem unbeschreiblich frischen Hauch. Geruch von Gras, von Heu, von nasser Erde, von Kartoffelfeuer. Diese unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, die im Wachsen Form und Farben verändern, das Erleben von ständiger Veränderung und Entwicklung: Jahreszeiten, Rhythmus, Veränderung und Wiederkehr des Gleichen. Frische Früchte ernten, Wildfrüchte, Süsses und Saures, Hartes und Weiches. Gemüse anbauen, Karotten aus der Erde ziehen, Kräuter vom Garten in den Topf, ganz frischer Salat (an die Schnecken denken wir jetzt nicht ...). Der tief berührende Ton von reifem Getreide im Wind, Tannenrauschen, Bienensummen, das unendlich variantenreiche, belebende Konzert des Vogelgesangs ... welche Freude, welcher Reichtum, was für ein Schatz !

 

Juni

Schön wie niemals sah ich jüngst die Erde.
Einer Insel gleich trieb sie im Winde.
Prangend trug sie durch den reinen Himmel
Ihrer Jugend wunderbaren Glanz.

Funkelnd lagen ihre blauen Seen,
Ihre Ströme zwischen Wiesenufern.
Rauschen ging durch ihre lichten Wälder,
Große Vögel folgten ihrem Flug.

Voll von jungen Tieren war die Erde.
Fohlen jagten auf den grellen Weiden,
Vögel reckten schreiend sich im Neste,
Gurrend rührte sich im Schilf die Brut.
Bei den roten Häusern im Holunder
Trieben Kinder lärmend ihre Kreisel.
Singend flochten sie auf gelben Wiesen
Ketten sich aus Halm und Löwenzahn.

Unaufhörlich neigten sich die grünen
Jungen Felder in des Windes Atem,
Drehten sich der Mühlen schwere Flügel,
Neigten sich die Segel auf dem Haff.

Unaufhörlich trieb die junge Erde
Durch das siebenfache Licht des Himmels.
Flüchtig nur wie einer Wolke Schatten
Lag auf ihrem Angesicht die Nacht.

Marie Luise Kaschnitz, 1935

 


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